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Der Konflikt in uns

 

Marie-Luise Heusmann-Fischer


Unser Leben ist polar aufgebaut, und das Leben sinnvoll zu leben heißt sich zwischen den Polen hin und her zu bewegen. Besonders interessant sind die Pole männlich und weiblich.

Nicht nur, dass die Frau eine große Anziehungskraft auf den Mann besitzt und umgekehrt, sondern  auch unsere inneren Kräfte lassen sich in eine weibliche und eine männliche Qualität unterscheiden. Wenn wir uns genauer anschauen, welche dieser Kräfte unser Leben am meisten bestimmt, so ist es die männliche Seite in uns. Es ist der Kopf, unsere Gedanken, die uns sagen was gut für uns ist. Auf welche Schule wir unsere Kinder schicken, welches Auto wir fahren wollen, wie wir uns zu verhalten haben im Umgang mit anderen Menschen. Er ist logisch, rational, mathematisch, wissenschaftlich, er kann argumentieren. Diese Kraft ist Wille, sie will etwas erreichen..., sie setzt sich ein Ziel, sie arbeitet sich hoch, sie verändert, sie will führen. Die männliche Kraft will im Außen gewinnen: im Büro, in der Fabrik, auf dem Marktplatz, in der Politik, im Sport...

Die weibliche Kraft fließt aus dem Herzen. Das Herz weiß nichts von Logik, es weiß einfach ohne jeden Erkenntnisprozess. Wenn Du von einer Landschaft überwältigt bist, ist das keine rationale Aussage. Man kann es nicht logisch beweisen, es ist ein intuitives Gefühl. Die weibliche Kraft lebt aus ihren Stimmungen heraus, alles kommt und geht aus heiterem Himmel, völlig irrational. Sie ist empfänglich, sie plant nicht, sondern sie vertraut, dass alles zum richtigen Zeitpunkt geschehen wird.
Sie interessiert sich für das Nahe, das Menschliche, das Hier und Jetzt voller Mitgefühl, Güte und Verständnis. Das weibliche Element ist seinem Wesen nach beharrend, konventionell, traditionell.

Beide Qualitäten sind notwendig. Wenn Du nicht eine gewisse Intelligenz besitzt, kannst Du nicht verstehen was man Dir sagt. Und wenn Du nicht auch weiblich bist, kannst Du es nicht in Dir aufnehmen, in Dich integrieren, damit es zu einem Teil von Dir wird. Obwohl beides starke positive Kräfte sind, benützen wir sie oft in ihrer negativen Form. Die männliche Kraft wird aggressiv, dann fordern wir, kritisieren, kontrollieren oder sind voller Wut. Und die weibliche, empfängliche Kraft wird teilnahmslos und gleichgültig. Es ist wie eine Art Missbrauch dieser Kräfte in uns – sie kämpfen dann gegeneinander anstatt sich gegenseitig zu ergänzen. Dahinter verbirgt sich Angst, die sich als Widerstand oder Ablehnung gegen eine Sache, eine Situation oder einen Menschen zeigt.

Die Ursache hierfür liegt weit zurück. Männer des Glaubens verteufelten in der ganzen Welt die weibliche Kraft. Der Westen bezog sich ausschließlich auf einen männlichen Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Dabei war in den Ursprüngen des Judentums, auf dem ja das Christentum beruht, Gott männlich und weiblich zugleich. Wie in vielen Naturreligionen wurde von Vater Kosmos und Mutter Erde gesprochen. Genauso wie die  Frau ihre gesellschaftliche Stellung durch das Wirken der Kirche eingebüßt hat, genauso unterdrücken wir die weibliche Seite in uns. Sie wurde zutiefst verletzt. Wenn heute deine weibliche Seite, deine Intuition etwas sagen will, stürzt sich der Intellekt, also deine männliche Seite sofort darauf und sagt, das ist unlogisch, absurd. Der Intellekt steht so im Vordergrund, dass er inzwischen fast das alleinige Mittel ist, sich in der Welt sicher zu fühlen bzw. sie zu beherrschen. 
Auch durch die Emanzipation haben gerade wir Frauen an Weiblichkeit eingebüßt. Wir wollen ja die Verantwortung für uns übernehmen, wir wollen ja unabhängig sein, wir legen uns ins Zeug, machen oft die unsäglichsten Anstrengungen, um geliebt und respektiert zu werden. Aber wir benützen, weil wir es nicht anders kennen, die männlichen Kräfte. Wir gehen in Männerberufe und bedienen uns in erster Linie der männlichen Werte wie Wille, Rationalität, Stärke und Logik und stülpen sie unseren weiblichen Werten wie Hingabefähigkeit, Gefühl und Intuition über. Wenn wir jedoch nicht beide Pole leben, sondern einen zu stark, gerät alles aus dem Gleichgewicht. Unsere weibliche Kraft ist durch die dominierende männliche Kraft, die sich im Außen an der Gesellschaft orientiert und dadurch die eigenen Bedürfnisse und Empfindungen unterdrückt, zutiefst verletzt.

Über das Fühlen kommen wir von der überstarken männlichen Seite immer tiefer hinein in die weibliche Kraft. Um diese hingebende weibliche Kraft zulassen zu können, ist es wichtig vorher die positive männliche Kraft aufzubauen. D.h. wir lernen uns abzugrenzen, lernen da nein zu sagen, wo wir bisher, aus Angst abgelehnt zu werden, immer wieder nachgegeben haben. Wir verwandeln unsere Wut, indem wir unsere verletzten Gefühle angemessen ausdrücken und zulassen. Wir bringen den Mut auf Situationen zu verändern, die nicht gut für uns sind. Wenn wir unsere positive männliche Kraft aufgebaut haben, unterstützt sie unsere weibliche Seite, indem sie Gefühle nicht mehr unterdrückt und in Frage stellt, sondern indem sie die Gefühle da sein lässt. So dass wir unsere innere Stimme immer klarer hören können und die weibliche Seite sich unseren oft auch schmerzlichen Gefühlen hingeben und sie dadurch heilen kann.

Durch ihren eigenen Entwicklungsweg und die Arbeit mit anderen Menschen, lernte Frau Heusmann-Fischer, wie der falsche Gebrauch unserer Kräfte nicht nur unsere Beziehungen belastet, sondern auch krankmachend auf unsere Psyche und Gesundheit wirkt. Durch gezielte Energiearbeit holt sie unterdrückte Gefühle und Verhaltensmuster ins Bewusstsein, so dass sie leichter losgelassen und transformiert werden, und die Kräfte in ein Gleichgewicht kommen können.

ISIS- Praxis für Bewusstseinsarbeit
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