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KONSENS - Wohlwollende Kommunikation

Die Mutterrechtliche Gesellschaft der Mosuo in Südwest China
und deren friedfertige Kommunikation.


1999 hatte ich die Chance, an einem Seminar von Iris Bubenick-Bauer teilzunehmen.  Sie besuchte seit Jahren regelmäßig die Mosuo und berichtete uns von deren Methoden  Glück für Jede/n Einzelne/n und für die Gesellschaft als Ganzes zu schaffen.
   Die eine Methode ist: Tote werden liebevoll verabschiedet und geehrt. Es wird um Verzeihung gebeten für alles noch Unstimmige. Die Mosuo sagen, verärgerte Tote werden zu Dämonen und stören das Glück der Gesellschaft, während friedliche Geister die Gesellschaft unterstützen.
   Die andere Methode ist: Alle Entscheidungen werden im Konsens getroffen.
Das heißt, die Gemeinschaft kommt zusammen zu einem Thema. Jede/r Anwesende kommt zu Wort. Die Redezeit ist gleichmäßig verteilt. Eine gemeinsame Lösung wird gesucht und gefunden. Es wird so lange gesprochen, bis alle einverstanden sind, z.B. dass eine junge Frau in die Stadt zum Studieren geht und alle Sie unterstützen. Wenn welche nicht einverstanden sind, sollten sie zumindest damit leben können. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit ein Veto einzulegen. Alle hören sich die Begründung an und suchen erneut nach einer für alle mittragbaren Lösung.

Mehrheitsentscheidungen wie in einer Demokratie unterdrücken immer eine Minderheit. Daraus entsteht Unfrieden.
Kurz entschlossen bestellten wir 2 ausgebildete Konsens-Trainerinnen, um in unserem Frauen-Verein diese Methode einzuführen. Die Art der Kommunikation änderte sich sehr zum Guten. Alle waren jetzt angesprochen. Um jede Frau zu Wort kommen zu lassen, wurden Klein-Gruppen gebildet und das Thema dann wohlwollend von allen Seiten beleuchtet.
Wenn die Gruppe einen KONSENS gefunden hat, kommt sie mit den anderen Gruppen im „Stern“ zusammen. Die gewählte Sprecherin der jeweiligen Klein-Gruppe platziert sich im inneren Kreis, die Gruppe jeweils dahinter. Im „Stern“ werden alle Sprecherinnen gehört. Gibt es widersprüchliche Meinungen der Gruppen, wird nochmals Rücksprache gehalten mit der jeweiligen Klein-Gruppe unter Einbeziehung neuer Aspekte. Und wieder bringen die Sprecherinnen den Konsens in den Stern. Das geht so lange, bis Konsens gefunden ist oder zumindest alle damit leben können. Wenn nicht, wird das Thema vertagt.
Der Vorteil von KONSENS ist, dass die gesamte Gruppe hinter der Entscheidung steht.
Alle werden gehört und ihre Einwände mit einbezogen. Jede/r fühlt sich gesehen, gehört und anerkannt. Dies trägt zur Friedfertigkeit der Menschen bei. Isolierung Einzelner wird als Manko der Gruppe angesehen und vermieden.

KONSENS ist eine innere Haltung, die mit Wohlwollen und Respekt für jede/n Einzelne/n gepaart ist.
Ein aktuelles Beispiel ist der EU-Vertrag. (Vertrag von Lissabon)
Er sollte im Konsens ratifiziert werden. Die Mitgliedsländer der EU stimmten zumeist in Ihren Parlamenten ab. Das Land, welches das Volk abstimmen ließ (Irland), stimmte dagegen.
Legte sozusagen „Veto“ ein. „Böse Zungen“ in der Politik offenbarten ihre wahre Gesinnung.
Statt zu fragen, was ist der Grund? Womit fühlen diese Menschen sich nicht wohl?, wollten diese Politiker am liebsten das Land aus der EU isolieren. Sie warfen Irland Blockade-Politik vor. Fakt ist aber, dass die meisten EuropäerInnen keine Ahnung haben, was in dem Vertrag von Lissabon steht. Sie wurden erst gar nicht gefragt.
Das „Veto“ der Iren ist bewusstseinsfördernd. Österreich überlegt jetzt ebenfalls, ob das Volk abstimmen soll. Die ÖsterreicherInnen haben die Erfahrung gemacht, dass sie entmündigt werden von der EU. Sie wollten ein Einfuhrverbot von genmanipulierten Nahrungsmitteln und bekamen das von der EU verboten. EU-Recht geht vor dem Mitgliedsstaaten-Recht.

In den letzten Jahren wurde „Gewaltfreie Kommunikation“ populär. Sie impliziert, dass in unserer Kommunikation Gewalt vorkommt.  Somit ist sie eine Methode, die patriarchalische Gewalt-Struktur in der Sprache aufzudecken.
Die “Konsens-Methode“ dagegen kommt aus einer mutterrechtlichen friedfertigen Gesellschaft.
Grundsätzliches zu KONSENS
   - Konsens ist kein Kompromiss!
   - Nicht alle müssen für eine Entscheidung sein, aber keine/r dagegen.
   - Konsens ist eine praktische Gestaltungsform eines gewalt- und herrschaftsfreien             Entscheidungsprozesses.
   - Die Unterschiedlichkeit ist gefragt.
   - Aktives Zuhören ist wichtig.
   - Überdenken, und gegebenenfalls verändern der eigenen Position ist angesagt.
   - Jede/r wird gehört.
   - Respekt, Achtsamkeit und Vertrauen können leichter entstehen.
Schwierigkeiten: Zeitdruck
Lösungsmöglichkeiten: - Eine vorläufige Regelung treffen.

  • Sich angemessen Zeit nehmen.
  • Die Entscheidung verschieben.

Feedback: - Teile Deine Wahrnehmungen als Wahrnehmungen mit.

  • Teile Deine Vermutungen als Vermutungen mit.
  • Teile Deine Gefühle als Gefühle mit.

Dies gibt den anderen in der Gruppe die Freiheit, kreativ mit dem Gesagten umzugehen.

Der Artikel im letzten Heft „Am Anfang war die Mutter“ von Sissy Vogg inspirierte mich am Thema weiterzuspinnen. Vielleicht ist es für einige anregend, über unsere Art der Kommunikation nachzusinnen, um wachsamer und  respektvoller mit anderen zu kommunizieren.

Indigene Völker bildeten Kreise wie das Medizinrad. Sie wussten um die Wichtigkeit der Verbindung verschiedener Sichtweisen. Symbolisch der 8 Sichtweisen. Mit jeder Person bzw. jeder Sichtweise, die aus dem Kreis fällt, gehen wichtige Talente verloren.
Die Medizin geht verloren.


„Die Kraft der Kreise“ führt zu Frieden und Vollständigkeit.

Varuna


www.varuna-steinkunst.de