webarte

Marguerite Barankitse und ihre Arbeit in Maison Shalom,
dem Ort der Kinder




Vor einigen Jahren wurde ein Kindersoldat in Burundi losgeschickt, eine Frau zu töten. Die Frau, Marguerite Barkankitse, lebt immer noch und der Junge ist längst erwachsen und ihr Chauffeur.

Maggie, wie sie genannt werden will, hat im Oktober 1993 miterleben müssen, an einen Stuhl gefesselt, wie vor ihren Augen von ihrer eigenen Familie über siebzig Menschen getötet wurden. Nachdem sie losgebunden wurde, kümmerte sie sich um alle Kinder des Bürgerkrieges in Burundi, die ihr über den Weg liefen. Sie hat nie gefragt, welcher Religion, welchem Volk ein Kind angehörte, sie hat einfach nur geliebt, bedingungslos. Sieben Kinder wurden von ihr adoptiert. Sie hat Maison Shalom gegründet, ein Ort, in dem die Kinder aufwachsen können und nicht nur Liebe, sondern auch Vergebung lernen. Sie selbst sieht sich dabei als ein Werkzeug Gottes.

Im Dorf Maison Shalom teilen sich sowohl die Kinder von Tätern, als auch die von den Opfern alles, Wasser, Arbeit, Nahrung und nicht zuletzt die Erinnerung. Die Kinder leisten viel, sie gehen zur Schule, waschen und kaufen ein, leisten auch sonst fast alles, was sonst die Erwachsenen tun und die Größeren helfen den Kleineren. Vergebung hilft mehr als Strafe, zusammen mit der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Übernahme von Verantwortung. Die Häuser, in denen die Kinder, Tutus und Hutsis, leben, werden frateries, Bruderschaften genannt. Sie sind von den Kindern selbst gebaut, mit Hilfe von Maurern und Zimmermännern und gehören ihnen, sowie der Grund, den sie bebauen. Sie wachsen gemeinsam auf und lernen, nur miteinander sind sie stark, kommen sie weiter. Dieses Dorf wird hauptsächlich von Kindern und Jugendlichen bewohnt, wenn Erwachsene als Lehrer dort arbeiten, dann müssen auch sie durch eine Schule des Leides gegangen sein, schon deshalb, weil sie nur dann genügend Mitgefühl für die traumatisierten Jugendlichen haben. Am Anfang musste Maggie noch stehlen, um die Kinder satt zu bekommen, jetzt hat sie in Maison Shalom sogar ein Kino, eines von zwei Kinos in Burundi, und eine Klinik.

Ruyigi, die Stadt, bei der das Maison Shalom liegt, ist übrigens die einzige Stadt in Burundi, in der es keine Bettler, Straßenkinder und Prostituierten gibt. Die Kraft Marguerite Barankitses reicht weit über die Grenzen Burundis hinaus, sie erreicht auch mich, sie lehrt mich, nicht aus meiner Angst heraus zu handeln, sondern aus meiner Liebe.

Esther Michaelis