„Hol Wasser vor der Revolution – nach der Revolution hol Wasser!“
Wasser holen – die einfachen Dinge genauso wichtig nehmen und hingebungsvoll um ihre perfekte Ausführung bemüht sein – und immer mit dem Geist der Revolution.
Das Private ist politisch. Dies ist ein hochgradig politischer Satz aus der Zeit, als anerkannt wurde, dass das, was bisher als privat betrachtet wurde, die Grundlage des politischen Systems bildet
und dass dieses System durch das scheinbar Private sogar erst hervorgebracht wird. Dies beinhaltet bereits eine zutiefst spirituelle
Erkenntnis: Innen wie außen, im Kleinen wie im Großen!
Patriarchale Familienstrukturen oder kolonialistische Eßgewohnheiten sind z.B. seitdem keine Privatsache mehr, sondern ein Politikum.
Jedoch nicht nur das Private ist politisch, sondern das Innerste des Menschen ist politisch. Damit Veränderung nachhaltig Bestand hat,
muß sie auf allen Ebenen stattfinden und dabei die Innenwelt des Menschen genauso erfassen und verwandeln, wie die gesellschaftlichen Bedingungen. Der politische Mensch will radikal,
d.h. bis an die Wurzeln (radix = Wurzel) der sozialen Probleme
Veränderungen bewirken. Bei der Umsetzung dieses Vorhabens stellt er fest, dass er, um an die Wurzel zu kommen, nicht nur bis ins Private, sondern bis in das Innere des Menschen vordringen und verändern muß – und ehe er sich versieht, befasst er sich mit Fragen
des inneren Wachstums, die allgemein als spirituell empfunden werden.
Inwiefern ist das Spirituelle politisch?
„Hol Wasser vor der Erleuchtung – nach der Erleuchtung hol Wasser“
Wasser holen – das Notwendige tun; das tun, was Not abwendet – und immer mit der Liebesenergie der Erleuchtung. Da alles miteinander in Verbindung ist, ist es sinnlos, egoistisch nach Glück und Erfüllung zu streben. Jedes Leid eines anderen Wesenes hat auch eine Rückwirkung auf mich und ist damit auch mein Leid. Ebenso jede Freude. Jede persönliche Handlung (und bewusste Unterlassungen sind auch Handlungen) wirkt auf alles andere und auch wieder auf mich zurück. Sinnhaft ist also nur das, was die Situation aller Wesen miteinbezieht und ihnen das gleiche Maß an Liebe, Mitgefühl und Achtung angedeihen lässt, das ich mir als spiritueller Mensch für mich und mein direktes Umfeld erschaffe.
Wenn ich als spiritueller Mensch die Verbundenheit mit allem Sein,
die totale Selbstverantwortung für meine Handlungen, sowie die Gebote der Liebe und des Mitgefühls als Essenz der verschiedensten
spirituellen Richtungen (an)erkenne, wohin führt mich dann mein spiritueller Weg? Er führt mich dazu, mein äußeres Handeln mit meinem inneren Sehnen als perfekte gegenseitige Spiegel in
Einklang zu bringen. Ich kann in der Konsequenz nicht anders als mit Wort und Tat Stellung zu beziehen für den Frieden, die Gerechtigkeit
Und die Achtung aller Geschöpfe. Will ich das effektiv tun, stehe ich mitten in der Politik.
Welcher politische Mensch kann seit Gandhi noch behaupten, Spiritualität sei der politischen Handlungsfähigkeit im Weg?
Und welcher spirituelle Mensch kann seit Gandhi noch behaupten, es sei müßig, bringe nichts und würde nur vom Weg ablenken, den „äußeren Kampf zu kämpfen“?
Silke Hagmaier
Ökodorf Sieben Linden
E-Mail: silke.club99@siebenlinden.de