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Interview Sven Müller

Trance Tanz

Wie würdest Du den Bewusstseinszustand beschreiben, den man Trance nennt?
 
Der Bewusstseinszustand der Trance ist interessant, weil er sich von unserem Alltagsbewusstsein oft sehr unterscheidet. Er bietet uns viele Möglichkeiten, um zu wachsen, ganz zu werden und zu lernen. Im Trancezustand gibt es völlig andere Möglichkeiten und auch andere Gesetze. Wir können uns z.B. durch die Zeit bewegen. Etwas, das lange vergangen ist, kann wieder so lebendig werden, dass wir es ein zweites Mal durchleben. So können wir etwas heilen oder eine verlorengegangene Freude oder Unschuld zurückrufen. Das wird im Schamanismus Seelenrückholung genannt. Oder wir reisen in die Zukunft, um zu erfahren, wer und wie wir sein können. So können wir wertvolle Hinweise bekommen, worauf es in unserem Leben wirklich ankommt.
 
Identifizieren wir uns mit den inneren Bildern und drücken sie im Tanz aus, werden wir wieder lebendiger und erfahren viel über unsere eigentlichen Möglichkeiten für unser alltägliches Leben. Wenn wir uns z.B. mit einem großen Vogel identifizieren und dieses Tier dann tanzen, möchte uns diese Erfahrung vielleicht zeigen, wie es ist weiträumig zu denken, frei und offen den eigenen Lebensraum zu erobern und aus einer höheren Perspektive auf unser eigenes Lebensschicksal herabzuschauen.
 
Oft finden wir Bilder, Eindrücke oder Erlebnisse, die eine starke symbolische Bedeutung haben. Wenn wir diese Erfahrungen beachten und in uns wirken lassen, kann sich unser ganzes Leben im Sinne unseres eigentlichen Seelenplanes wandeln.
Welche Gefühle und Energien kann jemand in einer Trance erfahren?
 
Im Trancezustand tauchen oft die Gefühle auf, die in unserem Alltag keinen Platz haben. Dadurch, dass wir sie nicht fühlen, sind sie natürlich nicht weg. Gefühle zu unterdrücken macht uns unlebendig und trennt uns von unseren Wünschen. Manchmal ist diese Unterdrückung Ursache für viel Leid und auch Krankheit. So wundern wir uns, wieso etwas in unserem Leben einfach nicht stimmt. Wenn nun diese Gefühle und Stimmungen in der Trance auftauchen, verstehe ich das als eine große Chance, die uns wirklich befreien kann. In diesem Sinne ist Trauer, Ärger, Frust und Ohnmacht genauso heilsam wie Freude, Lebendigkeit und die Erfahrung von Liebe und Freiheit.



Kann es für eine instabile Persönlichkeit gefährlich sein, in Trance zu gehen. Schließlich ist es möglich, in sehr extreme Zustände zu kommen, die dann vielleicht  nicht mehr zu kontrollieren sind?
 
Es gibt Menschen, die ich nicht mit in diese Erfahrungen nehme. Für die Arbeit die ich in den Seminaren mache, ist es Voraussetzung, dass die Teilnehmer eine intakte Persönlichkeit haben. Dadurch, dass ich achtsam in den Trancezustand führe und auch viel Zeit für integrierende und verstehende Arbeit gebe, kommt jeder, den ich mitnehme, wieder bereichert zurück, und die Erfahrungen bekommen dadurch auch eine Alltagstauglichkeit.  




Welche Wirkung hat dieser veränderte Bewusstseinszustand auf unseren Existenzkampf? Unser Leben nimmt uns mit seinen täglichen Pflichten und der Notwendigkeit Geld zu verdienen sehr in Anspruch. Wie gelingt es den Menschen, die zu Dir kommen, mit diesem Gegensatz zurechtzukommen? 



Das ist für mich eine der wichtigsten Fragen zu meiner Arbeit. Ich habe vorher schon betont wie die Erlebnisse “alltagstauglich“ werden. In diesem Sinne verstehe ich die Erfahrungen die in einem veränderten Bewusstseinszustand gemacht werden, nicht als Gegensatz sondern als wirklich ergänzende und oft sogar notwendende Erfahrung um den Lebensweg erfüllt und stimmig zu gehen. Die Bilder und Symbole die auf den Innenreisen auftauchen, werden oft als zentrale Bedürfnisse ergründet. Die Nacharbeit dient dazu, diese Einblicke in die Seele so aufzuarbeiten, dass sie ganz konkret im alltäglichen Leben Ausdruck finden können. 
 

Wir leben in einer Welt, in der wir mit Informationen regelrecht überfüttert werden. Hast Du ein System, wie Du das Wesentliche aus dieser Informationsflut für Dich herausfilterst? 



Ich lebe mit meiner Familie auf dem Land. In meinem Umfeld leben wirklich inspirierende Menschen. Was mir in meinem Umfeld begegnet, lasse ich wirklich nah an mich heran. Ich benutze den Fernseher sehr wenig. So erlebe ich selten eine “Überfütterung“. Ich habe dann eher das Bedürfnis, mal in die Stadt zu fahren, um Zeitung zu lesen und mich anderen Informationen auszusetzen. 
 
 
Das ICH betrachtet sich in der Regel als getrennt vom Rest der Welt. Worin siehst Du die Aufgabe von diesem ICH? Wie kann das ICH seinen eigenen Sinn erkennen?


Das “Ich“ hilft dabei, den Lebensweg in dieser Welt zu gehen und einen Platz in dieser Gesellschaft zu finden.. Es hat seine Aufgaben wie z.B. eine Identität zu geben, einen Beruf oder ein Hobby auszuüben oder eine Partnerschaft zu leben. Das “Ich“ ist unsere Persönlichkeit und hilft uns dabei zu unterscheiden. Das hat viele Vorteile um die Welt zu verstehen und so zu leben wie wir es möchten. Aber wenn wir uns zu ernst nehmen und glauben, unser “Ich“ sei der Maßstab aller Dinge, ist es  auch die Ursache für viel Leid.
 
Meine Arbeit und meine Empfehlung ist, dem “Ich“, also sich selbst mit Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Interesse zu begegnen. Das hört sich vielleicht widersprüchlich an, aber meine Erfahrung ist, dass sich gerade dadurch die oft schmerzhafte Identifikation mit dem “Ich“ zu lösen beginnt. Dadurch werden wir offener und berührbarer für ein freudiges und erfülltes Leben, und wir erkennen, dass wir viel mehr sind als nur unsere Persönlichkeit, unser “ich“.
 

Welche Fähigkeiten musstest Du entwickeln, um Gruppen sicher führen zu  können?
 
Ich habe wirklich gute Lehrer gehabt, die mir sehr weitergeholfen haben und machte viele tiefe Erfahrungen auf meinen „Innenreisen“ und Meditationen. Das Wichtigste ist wohl, immer wieder Fragen zu stellen, selbstkritisch zu sein, mich immer mehr kennen zu lernen und mein eigenes Leben immer wieder neu als einen Wachstumsprozess zu erkennen. Dadurch entsteht eine tiefe Verbindung zu “Spirit“ (der Existenz), zu anderen Menschen und zu mir, aus der heraus ich sicher führen kann.